GirlsDay

Kampf gegen Klischees

Frauen sind in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen unterrepräsentiert. Das ist Fakt. Damit sich das ändert, gibt es seit 2001 jeweils am vierten Donnerstag im April den Girls‘Day. In mehr als 20 Ländern weltweit spricht dieser Aktionstag Schülerinnen, und zwar nur Schülerinnen, ab der fünften Klasse an. Mädchen ab elf Jahren gehen an diesem Tag in Fabrikhallen, Büros, Werkstätten und Labors, um technische Berufe live und vor Ort hautnah zu erleben und kennenzulernen. Wir stellen Ihnen in den folgenden Monaten in einer Serie sechs Frauen bei Freudenberg Performance Materials vor, die sich für einen technischen oder naturwissenschaftlichen Beruf entschieden haben.

Michaela Rau, Textilingenieurin, Weinheim, Deutschland

Rau

Michaela Rau (35) arbeitet seit Januar 2016 bei Freudenberg Performance Materials im Bereich Global Innovation & Technology in Weinheim. Die in Reutlingen aufgewachsene Textilingenieurin beendete 2012 ihr Studium der Textiltechnologie und arbeitete zunächst dreieinhalb Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Textil- und Faserforschung (DITF) in Denkendorf. Bei Freudenberg PM verantwortet Rau in der Verfahrensentwicklung hauptsächlich die mechanischen Verfestigungsverfahren wie die Wasserstrahlverfestigungs- und Vernadelungstechnologie. Sie bewegt sich damit an der Schnittstelle zwischen Produkt- und Verfahrensentwicklung und arbeitet hier eng mit dem unternehmenseigenen Technikum in Weinheim, dem Hauptsitz von Freudenberg in Deutschland zusammen. Sie ist Ansprechpartnerin für die neue Wasserstrahlanlage und die neue Nadelmaschine im Technikum. Als Teammitglied der Entwicklung ist sie zudem an diversen Entwicklungsprojekten beteiligt. Zudem leitet sie ein globales Expertenteams „mechanische Verfestigungsverfahren“ und arbeitet hier mit Kollegen aus Südkorea, China, USA und Frankreich zusammen.

Wer hat Sie inspiriert einen technischen Beruf zu ergreifen?

Wenn ich jemanden nennen müsste, dann ist es mein älterer Bruder, der selbst Ingenieur ist. Eigentlich entstand die Entscheidung für diesen Beruf aus meinem Interesse für Textilien und deren Herstellungsprozesse sowie deren breites Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten. Ich nahm zudem als Schülerin an einem Tag der offenen Tür der Hochschule Reutlingen in der Maschinenhalle teil und war damals schon beeindruckt von den Anlagen und Maschinen und deren Möglichkeiten Textilien herzustellen. Da habe ich gemerkt: Textil ist weit mehr als nur „Klamotten“. Die enorme Vielfalt textiler Anwendungsgebiete wurde mir jedoch erst während und nach dem Studium bewusst.

Was fasziniert Sie an Ihrem Job?

Mich begeistern Maschinen, die Vliesstoffe jeglicher Art herstellen. Ich finde es auch spannend, dass ich ab und zu selbst an der Maschine stehen und mitarbeiten kann. Der ständige Ausbau an Wissen, der sich ja auch durch den technischen Fortschritt ergibt, kombiniert mit der Chance eigene Ideen einzubringen und Neues auszuprobieren ist ein großes Plus in meinem Job. Kein Tag ist gleich, ich arbeite sehr viel mit Kollegen aus anderen Ländern zusammen. Das alles macht meine Arbeit extrem abwechslungsreich und spannend.

Wurden Sie in Ihrer Laufbahn mit Vorurteilen wie z.B., dass Frauen kein technisches Verständnis haben, dass sie keine guten Ingenieure sind oder dass sie nicht gut in Mathe oder Naturwissenschaften sind, konfrontiert?

Nicht direkt. Und ehrlich gesagt sind die von Ihnen genannten Beispiele auch oft weitverbreitete und veraltete Klischees, die im realen Alltag nicht oder selten vorkommen. Ich habe solche noch nicht als Hürde erlebt.

Welchen Rat würden Sie jungen Frauen geben, die einen technischen Beruf ergreifen wollen?

Die Chancen und Möglichkeiten in technischen Berufen sind aussichtsreich und sehr vielfältig! „Die Mischung macht’s“ – da steckt auch im Berufsleben Wahrheit dahinter: Die Kombination älterer erfahrener mit jungen Kollegen, die Mischung von Männern und Frauen, verschiedene Nationalitäten und Berufe tragen zum Erfolg bei. Die Vorurteile, die in manchen Köpfen bestehen, sind dabei sich zu ändern oder sind zumindest in der jüngeren Generation fast gar nicht mehr vorhanden.

Girls‘Day – was bringt’s?:

Über die Hälfte der teilnehmenden Organisationen sind Unternehmen und Betriebe. Drei Viertel der teilnehmenden Institutionen bilden aus. Sie nehmen am Girl’s Day teil, weil sie zum einen potenzielle Mitarbeiterinnen ansprechen wollen, sehen diese Aktion aber auch als Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. Der Großteil der Organisationen nimmt bereits zum wiederholten Male am Girls’Day teil. Praktisch bieten fast alle Organisationen (94 Prozent) offene Girls’Day-Angebote für alle Mädchen an. Dabei stellen sie in der Regel ein Programm aus praktischen Tätigkeiten und Informationsvermittlung zusammen. Die Teilnehmer sind sehr zufrieden mit dem Aktionstag (87 Prozent): 89 Prozent bezeichnen die Mädchen als interessiert und engagiert. 44 Prozent haben Nachfragen nach Praktikumsplätzen erhalten, 42 Prozent bekommen Nachfragen nach Ausbildungs- und Studienplätzen. Ein Drittel der Organisationen, die zum wiederholten Mal am Girls’Day-Plätze anbieten, hat Bewerbungen ehemaliger Teilnehmerinnen auf Praktikums- und Ausbildungsplätze erhalten. 65 Prozent dieser Organisationen haben die Bewerberinnen eingestellt. Damit hat über ein Fünftel der Girls’Day-Organisationen durch ihre Girls’Day-Angebote weiblichen Nachwuchs akquirieren können.

www.girls-day.de

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