GirlsDay

Nun mit 3 Porträts

Kampf gegen Klischees

Frauen sind in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen unterrepräsentiert. Das ist Fakt. Damit sich das ändert, gibt es seit 2001 jeweils am vierten Donnerstag im April den Girls‘Day. In mehr als 20 Ländern weltweit spricht dieser Aktionstag Schülerinnen, und zwar nur Schülerinnen, ab der fünften Klasse an. Mädchen ab elf Jahren gehen an diesem Tag in Fabrikhallen, Büros, Werkstätten und Labors, um technische Berufe live und vor Ort hautnah zu erleben und kennenzulernen. Wir stellen Ihnen in den folgenden Monaten in einer Serie sechs Frauen bei Freudenberg Performance Materials vor, die sich für einen technischen oder naturwissenschaftlichen Beruf entschieden haben.

Hoa Pham

 

Hoa Pham, Forschungs- und Entwicklungsmanagerin, Durham, USA:

„Jetzt, da mehr Frauen die Glasdecke durchbrechen und in technischen Berufen arbeiten, bin ich stolz darauf, Teil dieser Gemeinschaftsarbeit zu sein."

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Hoa Pham

Hoa Pham studierte Chemieingenieurwesen, Polymerwissenschaften und moderne Sprachen. Die gebürtige Vietnamesin arbeitet seit Dezember 2014 bei Freudenberg Performance Materials in Durham, USA, und hat gerade das Führungskräfteprogramm LEAD absolviert.

Wer oder was hat Sie inspiriert einen technischen Beruf zu ergreifen?

Ich hatte das Glück in einer Familie aufzuwachsen, denen die Ausbildung ihrer Kinder sehr wichtig ist, unabhängig vom Geschlecht. Wenn ich so zurückschaue, war es mein Vater, der seiner Zeit voraus war. Obwohl er eine künstlerische Ausbildung genossen hatte, hat er die Bedeutung naturwissenschaftlicher und technischer Entwicklungen früh erkannt. Mein Vater hat mich, meine Schwestern und Brüder stets ermutigt eine naturwissenschaftliche oder technische Richtung einzuschlagen.

Gab es einen Wendepunkt, an dem Sie sich für die technische Karriere entschieden haben?

Da mich meine Eltern immer schon dazu ermutigt hatten, war für mich klar, dass ich Naturwissenschaften studiere. Während ich meinen Bachelor-Arbeit in Chemieingenieurwesen abschloss, absolvierte ich auch Kunstkurse. Ich habe das sehr genossen und schloss mein Studium sogar mit einem dualen Bachelor ab, einem in Ingenieurwesen und einem in Kunst. Danach hatte ich die Wahl zwischen einem Diplom-Studiengang in Jura und Polymerwissenschaften. Diese Entscheidung fiel mir schwer, aber meine Liebe zu den Naturwissenschaften hat gesiegt.

Was fasziniert Sie an Ihrem Job?

Ich liebe Forschung und Entwicklung. Ich verstehe wirklich die Freude und den Frust, den viele Forscher bei ihrer Arbeit erfahren, wenn etwas gelingt aber auch manchmal misslingt. Ein Produkt zusammen mit Kollegen vom Konzept, über dessen Entwicklung bis zum kommerziellen Erfolg zu führen, empfinde ich als große Erfüllung. Mit der Übernahme meines jetzigen Managerjobs ist es für mich wichtig, zusätzlich fachliche Führungs-Kompetenzen zu entwickeln und zu zeigen. Dabei sind mir ein kooperativer Führungsstil, offene Kommunikation und sensibles Coaching der Mitarbeiter sehr wichtig. Das Freudenberg LEAD Programm hat mir sehr geholfen. die Leistung und das Verhalten des Teams zu verbessern. Auch das finde ich extrem motivierend.

Welche Hürden sind Ihnen begegnet?

Als ich meinen ersten Job nach dem Studium antrat, dachte ich: wenn ich fleißig arbeite und zum Umsatz beitrage, würde ich anerkannt und belohnt werden. Heißt konkret: Ich versuche, das bestmögliche für mein Unternehmen zu erreichen und die Karriere erfolgt dann “automatisch”. Natürlich habe ich schnell gelernt, dass es im harten Geschäftsleben oft anders läuft. Ich denke, dass wirkungsvolle Mentoren-Programme dazu beitragen können, Mitarbeiter zu entwickeln, zu binden und zu halten.

Wurden Sie in Ihrer Laufbahn mit Vorurteilen konfrontiert, z.B., dass Frauen kein technisches Verständnis haben, dass sie keine guten Ingenieure sind oder dass sie schlecht in Mathe oder Naturwissenschaften sind?

Als Frau und Managerin in einem technischen Umfeld zu arbeiten hat Vorteile, aber man begegnet auch Herausforderungen. Da das Arbeitsumfeld in der Regel die Zusammensetzung und Verhaltensweisen einer Gesellschaft wiederspiegelt, lässt es sich kaum vermeiden, dass Frauen mit mehr oder weniger subtilen Vorurteilen konfrontiert werden. Das ist mir über die Jahre auch passiert. Vor allem müssen Frauen viel mehr leisten, um anerkannt zu werden.

Würden Sie Ihren beruflichen Werdegang nochmals genauso einschlagen?

Ich glaube, dass der Fortschritt der Menschheit von Technologie angetrieben wird. Da nun mehr Frauen die gläserne Decke durchbrechen und in technischen Berufen arbeiten, bin ich stolz ein Teil dieser Gemeinschaftsleistung zu sein. Daher würde ich jederzeit wieder den Beruf der Ingenieurin wählen.

Messerle

 

Margarita Messerle:

„Messebesucher bat mich Kaffee zu holen“

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Messerle

Margarita Messerle arbeitet seit Februar 2016 bei Freudenberg Performance Materials in Weinheim. Die Diplom-Chemikerin wurde in Kasachstan geboren und zog im Alter von vier Jahren mit ihrer Familie in die Südpfalz. Messerle absolvierte bereits im Alter von 13 Jahren ihr erstes Tagespraktikum im Labor eines großen Chemiekonzerns. Nach dem Abitur studierte sie Chemie in Mainz und arbeitete anschließend noch einige Jahre in der Forschung an der RWTH Aachen. Heute verantwortet die 28-jährige Vertrieb und Marketing der Separatoren für Lithium-Ionen-Batterien.

Wer oder was hat Sie inspiriert, einen technischen Beruf zu ergreifen?

Mein Gymnasium in Herxheim hat für uns Schüler bereits ab der achten Klasse Tagespraktika in der chemischen Industrie organisiert. Dort war ich im Labor und fand die Arbeit faszinierend. Später habe ich in der Oberstufe meine Facharbeit über Aromastoffe in der Lebensmittelindustrie geschrieben, dabei extrem viel recherchiert, mit Forschern telefoniert und sehr viel über Vanillejoghurt gelernt. Seitdem kann ich keinen mehr essen (lacht), aber die Faszination für die Chemie ist geblieben.

Was fasziniert Sie an Ihrem Job?

In meinem Job habe ich beides: Einerseits bin ich für Marketing und Vertrieb zuständig, andererseits ist auch mein technisches Know-how als Chemikerin gefragt. Bei den Separatoren für Lithium-Ionen-Batterien handelt es sich um keramisch imprägnierte Vliesstoffe, und damit um ein noch junges, zukunftsträchtiges Geschäftsfeld bei Freudenberg. Wir haben vor drei Jahren den Durchbruch geschafft und befinden uns nun in der Wachstumsphase. Mein Job ist es zudem, neue Kunden und Branchen für das Produkt zu begeistern. Auch der Austausch mit Kollegen weltweit macht meine Arbeit sehr spannend und vielseitig.

Würden Sie Ihren beruflichen Werdegang nochmals genauso einschlagen?

Ich würde früher und mehr Praktika in der Industrie machen, aber ansonsten bin ich sehr glücklich mit meiner bisherigen Karriere.

Wurden Sie in Ihrer Laufbahn mit Vorurteilen wie z.B., dass Frauen kein technisches Verständnis haben, dass sie keine guten Ingenieure sind oder dass sie nicht gut in Mathe oder Naturwissenschaften sind, konfrontiert?

Tatsächlich bat mich vor noch nicht allzu langer Zeit ein Messebesucher, einen Kaffee zu holen. Ich antwortete dann, dass ich ihm gerne unser neues Produkt vorstelle und wir dabei auch einen Kaffee trinken können. Der war erst einmal perplex, nahm aber mein Angebot an. Danach gab er mir auf seine sehr lustige Art noch den Tipp, dass ich als junge Frau mit einer tieferen Stimme sprechen soll, damit mich mein Gegenüber quasi ernster nimmt. Da sagte ich ihm mit der tiefsten Stimme die ich habe: „Vielen Dank, aber ich gehe meinen Weg auf meine Art.“

Welchen Rat würden Sie jungen Frauen geben, die einen technischen Beruf ergreifen wollen?

Sich davon nicht abbringen zu lassen. Argumente wie, da arbeiten nur Männer oder da hast du nur mit Handwerkern zu tun, sollten Frauen heute nicht mehr davon abhalten einen technischen oder naturwissenschaftlichen Beruf zu ergreifen. Es macht zudem sehr viel Spaß das Gegenüber mit Wissen zu überraschen, dass er oder sie nicht auf den ersten Blick erwartet.

Rau

  

Michaela Rau:

"Die Chancen und Möglichkeiten in technischen Berufen sind aussichtsreich und sehr vielfältig!"

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Rau

Michaela Rau (35) arbeitet seit Januar 2016 bei Freudenberg Performance Materials im Bereich Global Innovation & Technology in Weinheim. Die in Reutlingen aufgewachsene Textilingenieurin beendete 2012 ihr Studium der Textiltechnologie und arbeitete zunächst dreieinhalb Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Textil- und Faserforschung (DITF) in Denkendorf. Bei Freudenberg PM verantwortet Rau in der Verfahrensentwicklung hauptsächlich die mechanischen Verfestigungsverfahren wie die Wasserstrahlverfestigungs- und Vernadelungstechnologie. Sie bewegt sich damit an der Schnittstelle zwischen Produkt- und Verfahrensentwicklung und arbeitet hier eng mit dem unternehmenseigenen Technikum in Weinheim, dem Hauptsitz von Freudenberg in Deutschland zusammen. Sie ist Ansprechpartnerin für die neue Wasserstrahlanlage und die neue Nadelmaschine im Technikum. Als Teammitglied der Entwicklung ist sie zudem an diversen Entwicklungsprojekten beteiligt. Zudem leitet sie ein globales Expertenteams „mechanische Verfestigungsverfahren“ und arbeitet hier mit Kollegen aus Südkorea, China, USA und Frankreich zusammen.

Wer hat Sie inspiriert einen technischen Beruf zu ergreifen?

Wenn ich jemanden nennen müsste, dann ist es mein älterer Bruder, der selbst Ingenieur ist. Eigentlich entstand die Entscheidung für diesen Beruf aus meinem Interesse für Textilien und deren Herstellungsprozesse sowie deren breites Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten. Ich nahm zudem als Schülerin an einem Tag der offenen Tür der Hochschule Reutlingen in der Maschinenhalle teil und war damals schon beeindruckt von den Anlagen und Maschinen und deren Möglichkeiten Textilien herzustellen. Da habe ich gemerkt: Textil ist weit mehr als nur „Klamotten“. Die enorme Vielfalt textiler Anwendungsgebiete wurde mir jedoch erst während und nach dem Studium bewusst.

Was fasziniert Sie an Ihrem Job?

Mich begeistern Maschinen, die Vliesstoffe jeglicher Art herstellen. Ich finde es auch spannend, dass ich ab und zu selbst an der Maschine stehen und mitarbeiten kann. Der ständige Ausbau an Wissen, der sich ja auch durch den technischen Fortschritt ergibt, kombiniert mit der Chance eigene Ideen einzubringen und Neues auszuprobieren ist ein großes Plus in meinem Job. Kein Tag ist gleich, ich arbeite sehr viel mit Kollegen aus anderen Ländern zusammen. Das alles macht meine Arbeit extrem abwechslungsreich und spannend.

Wurden Sie in Ihrer Laufbahn mit Vorurteilen wie z.B., dass Frauen kein technisches Verständnis haben, dass sie keine guten Ingenieure sind oder dass sie nicht gut in Mathe oder Naturwissenschaften sind, konfrontiert?

Nicht direkt. Und ehrlich gesagt sind die von Ihnen genannten Beispiele auch oft weitverbreitete und veraltete Klischees, die im realen Alltag nicht oder selten vorkommen. Ich habe solche noch nicht als Hürde erlebt.

Welchen Rat würden Sie jungen Frauen geben, die einen technischen Beruf ergreifen wollen?

Die Chancen und Möglichkeiten in technischen Berufen sind aussichtsreich und sehr vielfältig! „Die Mischung macht’s“ – da steckt auch im Berufsleben Wahrheit dahinter: Die Kombination älterer erfahrener mit jungen Kollegen, die Mischung von Männern und Frauen, verschiedene Nationalitäten und Berufe tragen zum Erfolg bei. Die Vorurteile, die in manchen Köpfen bestehen, sind dabei sich zu ändern oder sind zumindest in der jüngeren Generation fast gar nicht mehr vorhanden.

Girls‘Day – was bringt’s?:

Über die Hälfte der teilnehmenden Organisationen sind Unternehmen und Betriebe. Drei Viertel der teilnehmenden Institutionen bilden aus. Sie nehmen am Girl’s Day teil, weil sie zum einen potenzielle Mitarbeiterinnen ansprechen wollen, sehen diese Aktion aber auch als Instrument der Öffentlichkeitsarbeit. Der Großteil der Organisationen nimmt bereits zum wiederholten Male am Girls’Day teil. Praktisch bieten fast alle Organisationen (94 Prozent) offene Girls’Day-Angebote für alle Mädchen an. Dabei stellen sie in der Regel ein Programm aus praktischen Tätigkeiten und Informationsvermittlung zusammen. Die Teilnehmer sind sehr zufrieden mit dem Aktionstag (87 Prozent): 89 Prozent bezeichnen die Mädchen als interessiert und engagiert. 44 Prozent haben Nachfragen nach Praktikumsplätzen erhalten, 42 Prozent bekommen Nachfragen nach Ausbildungs- und Studienplätzen. Ein Drittel der Organisationen, die zum wiederholten Mal am Girls’Day-Plätze anbieten, hat Bewerbungen ehemaliger Teilnehmerinnen auf Praktikums- und Ausbildungsplätze erhalten. 65 Prozent dieser Organisationen haben die Bewerberinnen eingestellt. Damit hat über ein Fünftel der Girls’Day-Organisationen durch ihre Girls’Day-Angebote weiblichen Nachwuchs akquirieren können.

www.girls-day.de

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