Lachender und gesunder Mann

Heilung hautnah

Pillen schlucken – das kennt jeder, doch heute können Medikamente ganz einfach per Pflaster verabreicht werden. Freudenberg liefert die dafür notwendigen Spezialvliese.


Das Wärmepflaster für den Rücken ist wohl der Klassiker, den jeder Westeuropäer kennt. Doch die Palette der medizinischen Pflaster ist weitaus größer und gerade in Europa noch gar nicht so bekannt. So gibt es Schmerzpflaster, Hormonersatzpflaster, Nikotinpflaster, Pflaster, die bei Asthma helfen, als auch Pflaster, mit denen ein Krankenpfleger den Wirkstoff Rivastigmin an Alzheimer-Patienten verabreicht oder eine Ärztin ihren Parkinson-Patienten mit dem Wirkstoff Rotigotin versorgt. Für Krebspatienten gibt es sogar spezielle Pflaster, die eine schonende Verabreichung von Schmerzmitteln ermöglichen. Transdermale Produkte nennt sich dieses Segment. Der Begriff leitet sich vom griechischen „derma“ für Haut sowie der lateinischen Vorsilbe „trans“ für „zu etwas übergehen“ ab. Weltweit umfasst der Markt der transdermalen Produkte einen Umsatz von etwa 6,4 Milliarden US-Dollar.


Topischer Patch

Dabei gilt es bei transdermalen Produkten unterschiedliche Kategorien zu unterscheiden: „Topische“ (engl. topical) Pflaster sollen nur lokal wirken, und zwar genau an der jeweiligen Körperstelle, auf der das etwa 10 mal 14 Zentimeter große Produkt für 12 bis 24 Stunden klebt. Beispiel: das Wärmepflaster wärmt nur da, wo es in direktem Kontakt mit der Haut steht. Gerade bei den großflächigen topischen Pflastern sei es für den Patienten sehr wichtig, dass das Pflaster gut aufliegt, sich der bewegenden Haut anpasst und sich angenehm weich anfühlt.

 

Das Bild zeigt ein topische Pflaster.

Passiver Patch

Eine weitere bedeutende Kategorie nennt sich „passiv“ und umfasst jene Pflaster, bei denen die Medikamente durch die Haut in den gesamten Blutkreislauf gelangen. Da die Wirkstoffe ohne „aktive“ Unterstützung wie beispielsweise elektronische Impulse die Haut durchdringen, nennt sich diese Pflasterart passiv. Typisch hierfür sind Pflaster für Alzheimer und Parkinson-Patienten, aber auch jene, mit denen Nikotin und Hormon in den Körper gelangen.

 

Das Bild zeigt ein passives Pflaster.

Transdermale Produkte ermöglichen kontrollierte Wirkstoffabgabe

Bei der letztgenannten Kategorie wird der große Vorteil transdermaler Produkte besonders deutlich: Sie ermöglichen eine langfristige, kontrollierte Abgabe der Medikamente durch die Haut.

Experte für Transdermale Produkte

„Darin liegt auch einer der wesentlichen Vorzüge im Vergleich zu etwa Tabletten“, erklärt

Leonardo Graziadio, Sales Manager für das Segment Medical bei Freudenberg Performance Materials in Weinheim.

Bei Tabletten gibt es einen sogenannten First-Pass-Effekt, das heißt, ein Teil des oral eingenommenen Wirkstoffs erreicht gar nicht den Blutkreislauf, sondern bleibt in Leber und Darm hängen. Bei einem Pflaster sei dagegen eine kontrollierte Abgabe über einen längeren Zeitraum von 12 Stunden bis vier Tage möglich, erklärt der 42-jährige. Zudem existieren bei Pflaster keine Wechselwirkungen mit der Nahrungseinnahme, die die Wirksamkeit oder die Konzentration des Medikaments beeinflussen können. Ebenfalls von Vorteil: Sobald das Pflaster auf der Haut klebt, muss keiner mehr an die pünktliche Einnahme des Medikaments denken. Gerade bei Kindern oder vergesslichen Patienten zahlt sich dies aus. Die meisten Kinder schlucken außerdem nicht gerne Tabletten. Graziadio: „Die Grenzen der passiven Anwendung liegt in der Molekülgröße des Medikaments. Wenn die Moleküle zu groß sind, können sie nicht durch die Haut diffundieren.“

Topische Pflaster haben in Japan lange Tradition

Freudenberg Performance Materials mit Hauptsitz in Weinheim beliefert weltweit die Produzenten transdermaler Produkte wie etwa Pharmaunternehmen mit den dafür notwendigen Vliesstoffen. Seit 1991 stellt die Japan Vilene Company in Tokio diese Vliese her, ursprünglich hauptsächlich für den japanischen Markt gegründet, beliefert Japan Vilene Company seit 2009 auch den europäischen Markt. Freudenberg Performance Materials und Japan Vilene Company sind Geschäftsgruppen des Technologie-Konzerns Freudenberg und arbeiten gemeinsam daran Kunden weltweit zu beraten und zu beliefern.

Experte für Transdermale Produkte

Dass die Produktion dieser Spezialvliesstoffe, meist Wasserstrahl verfestigte Vliesstoffen, in Japan liegt, hat handfeste historische und kulturelle Gründe.  In Japan ist der Einsatz äußerer Heilmethoden seit jeher beliebt und anerkannt. „Die transdermalen Produkte wurden in Japan erfunden, das ist vielleicht auch ein Grund, warum gerade die lokale Anwendung von Pflastern in Japan und im gesamten asiatischen Raum heute noch so beliebt ist“, erläutert

Yoshiki Matsuyama, Global Sales Representative Medical Products, bei Japan Vilene Company in Tokio, Japan.

Deutsche setzen auf Tabletten und Sprays, Japaner mögen lieber Pflaster und Pulver

So ist es in Japan beispielsweise üblich, dass sich jemand mit Kopfschmerzen zunächst ein kühlendes Pflaster auf die Stirn legt. Die Deutschen greifen dagegen eher zur Tablette, meint Peter Seez, deutscher Arzt in Tokio.

Medizin-Experte

Der promovierte Mediziner ist mit einer Japanerin verheiratet, lebt seit 30 Jahren in Japan und praktiziert dort seit 20 Jahren in einer Privatpraxis. „Die Japaner mögen keine Tabletten, und setzen lieber auf Pulver, Pflaster und vor allem auch auf alternative Heilmethoden“, erklärt der 74-jährige Internist und Gastroenterologe. So sei es in Japan üblich, dass Kinder, die an Asthma leiden, ihr Medikament per Pflaster verabreicht bekommen, während in Deutschland Sprays und Inhalieren üblich seien. Sehr beliebt sei in Japan laut Seez auch die sogenannte Kampo-Medizin, bei der eben Heilpflanzen wie Ingwer und Zimt in Pulver-Form zum Zug kommen, und der Arzt eben keine hochdosierten synthetisch hergestellten Medikamente verabreicht.

 

Dr. Peter Seez, Inhaber, Tokyo Medical & Surgical Clinic

Seez: „Man weiß beispielsweise, dass Zimt anti-entzündlich wirkt. Die Pulver aus der Kampo-Medizin reichen vielleicht manchmal aus und machen zu dem nicht so müde.“ Insgesamt seien die Japaner, was Gesundheit angeht, sehr interessiert und gebildet. So berichten japanische Medien sehr viel über medizinische Themen. Allein der öffentlich-rechtliche TV-Sender NHK bringen jeden Morgen eine 45-minütige Gesundheitssendung. Auch betreiben viele Japaner vor und während der Arbeitszeit Yoga. Seez: „Ein typischer Morgen beginnt mit 15 Minuten Yoga um sechs Uhr morgens, um neun Uhr machen dann viele Japaner und Japanerinnen nochmals fünf Minuten Bewegungsübungen, auch auf der Arbeit“, hat der Mediziner über die Jahre beobachtet. Ebenfalls ein Ritual sei das tägliche Bad: So sei es üblich abends nach einem Bad mit aufgewärmtem Körper in ein kühles Bett zu gehen. Seez: „Mit diesem Warm-Kalt-Kontrast schläft es sich deutlich besser.“

 

Passiver Markt wächst in Europa und den USA

Leben die Japaner deswegen gesünder und länger als beispielsweise Deutsche? Für Menschen, die im Jahr 2015 geboren wurden, liegt die durchschnittliche Lebenserwartung laut der Weltgesundheitsorganisation WHO in Japan bei 83,7 Jahren. Das Land der aufgehenden Sonne liegt damit weltweit an der Spitze, gefolgt von Nationen wie der Schweiz mit 83,4 Jahren und Singapur mit 83,1 Jahren. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Deutschen liegt dagegen „nur“ bei 81 Jahren. Laut Seez gibt es noch Regionen in Japan, in der die Menschen besonders gesund leben.

 

Insel Okinawa, Japan

Die südlichste japanische Insel Okinawa, übrigens Heimat der Kampfkunst Karate, sei so ein Ort. Anderseits habe es auch Regionen auf der nördlichen Insel Hokkaido gegeben, in der die Bevölkerung durch zu salzreiche Ernährung überdurchschnittlich häufig an Krankheiten wie Bluthochdruck und Magenkrebs litt. Seez: „Die Ernährung der Japaner hat sich im guten wie im schlechten an die globalen Trends angepasst. Weniger Salz in der Misosuppe, dafür aber auch mehr Fastfood.“ Zudem sei die Ernährung in Japan mittlerweile deutlich proteinreicher. So habe es früher in Japan Milch allenfalls in 150-Milliliter-Fläschchen geben,: „Zu Beginn meiner Zeit in Japan konnte ich mit meinen 1,76 Metern Körpergröße in der U-Bahn von einem Wagenende bis zum anderen durchschauen. Inzwischen sind die Japaner viel länger geworden.“
Im Gegenzug lassen sich Westeuropäer und Amerikaner gerade bei Heilmethoden gerne aus Asien inspirieren. Das beobachtet Matsuyama, der seit 2009 für die japanische Freudenberg-Tochter Japan Vilene Company sechs Jahre lang das US-Geschäft des Segments Transdermale Produkte von Durham aus verantwortet hat: „Das Segment der transdermalen Produkte zählt in Europa und den USA für Freudenberg zu den Wachstumsmärkten. Gerade die passiven transdermalen Produkte, mit denen Medikamente durch die Haut verabreicht werden können, stoßen in Europa und in den USA auf zunehmende Akzeptanz.“

 

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